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Raucher-Paradies Schweiz – Tabakindustrie mischt sogar an Unis mit | Impact Investigativ | SRF

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Die Schweiz pflegt eine enge Beziehung zur Tabakindustrie – von der Politik bis zu Universitäten. Viele Hochschulen wie die ETH, EPFL oder FHNW arbeiten in irgendeiner Form mit Philip Morris und anderen Tabakfirmen zusammen. SRF Impact Investigativ zeigt, wie die Tabakindustrie Masterarbeiten finanziert, an Geheimklauseln zu ihren Gunsten festhält und kritische Stimmen diskreditiert.

Wie unabhängig sind Schweizer Unis wirklich? Was wird verschwiegen? Und warum kann diese Intransparenz eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit sein?

Darum geht’s in der Reportage:
00:00 Intro: Die Beziehung der Schweiz zum Tabak 🇨🇭
01:21 Verdrängen IQOS & Co. die klassische Zigi? 🚬
05:00 Politiker als Türöffner für die Tabaklobby
06:02 Forschen EPFL-Studierende für Tabakmultis?
10:53 Schweizer Hochschulen & die Tabakindustrie 🎓
13:40 Fachleute fordern Transparenz
15:54 Schauspieler als Ärzte verkleidet
18:04 Falsche Versprechen & Druckausübung 👀
20:20 Wie schädlich sind IQOS & Co.? 🫁
21:14 Was der Öffentlichkeit verheimlicht wird
24:54 Sprecher von Philip Morris kontert
27:27 Wrap-up

Quellen und weiterführende Infos:
👉 https://transparencyandtruth.ch/de/

▪️ Redaktion: Nina Blaser, Fabian Kohler, Sarah Nowotny
▪️ Produktion: Nadine Woodtli
▪️ Kamera: Moritz Hofstetter, Marco Pollak, Laurent Stoop
▪️ Schnitt: Michael Bolliger
▪️ Grafik: David Forster
▪️ Distribution: Olivia Grubenmann, Ronja Oppiller
▪️ Mitarbeit: Recherche & Archive SRF
▪️ Leitung: Fiona Endres

Im Auftrag von ©2025 SRF

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▶️ Impact Reportage steht für packende Geschichten. Unsere Hosts Amila Redžić und Livio Carlin gehen dorthin, wo es spannend wird: mitten ins Geschehen.
▶️ Impact Investigativ deckt auf, was im Verborgenen liegt und geht den Missständen der Schweizer Gesellschaft auf den Grund.
▶️ Impact Inside lässt dich in Lebenswelten abtauchen, die du noch nicht kennst.
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#SRFImpact #Recherche #Tabak

Washington Post in Krise: Demokratie unter Druck

Mitten aus einem Kriegsgebiet kam die Kuendigung.

Eine Reporterin der Washington Post erfuhr per E-Mail, dass ihre Stelle gestrichen wurde – waehrend sie in der Ukraine ohne Strom und Heizung arbeitete.

Der Vorfall steht symbolisch fuer eine Entwicklung, die viele Beobachter als neuen Schlag gegen die US-Demokratie werten.

Hunderte Stellen gestrichen

Eigentuemer Jeff Bezos liess ueber 300 Stellen in der Redaktion abbauen. Betroffen sind laut Berichten:

  • die komplette Sportredaktion

  • grosse Teile der Kultur- und Lokalredaktionen

  • mehrere Auslandskorrespondenten

Selbst Journalistinnen und Journalisten aus Krisenregionen verloren ihre Arbeit. Die Kuendigungswelle loeste innerhalb der US-Medienbranche Schock und Wut aus.

Der fruehere Chefredaktor Marty Baron sprach von einem der „dunkelsten Tage“ in der Geschichte der Zeitung. Auch Investigativ-Legende Bob Woodward zeigte sich „am Boden zerstoert“.

Kritik an Bezos wird lauter

Mehrere ehemalige Fuehrungskraefte und Redaktionsmitglieder werfen Bezos vor, sich politisch neu zu positionieren. Waehren er in Trumps erster Amtszeit noch als Rueckhalt fuer unabhaengigen Journalismus galt, sehen Kritiker nun ein anderes Bild.

Laut einem Bericht von theguardian.com befuerchten Insider, Bezos wolle kuenftig Konfrontationen mit Donald Trump vermeiden – auch mit Ruecksicht auf seine anderen Unternehmen wie Amazon oder Blue Origin. Beweise dafuer gibt es nicht, doch der Verdacht sorgt fuer grosse Unruhe.

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Symbolwirkung weit ueber die Zeitung hinaus

Die Washington Post steht historisch fuer investigativen Journalismus und die Aufdeckung politischer Skandale wie Watergate. Ihr Leitspruch lautet bis heute:

„Democracy dies in darkness.“

Gerade deshalb sehen Medienbeobachter in den Sparmassnahmen ein alarmierendes Signal. Wenn selbst finanzstarke Medienhaeuser Redaktionen drastisch verkleinern, wachse die Gefahr sogenannter Nachrichtenwuesten – Regionen ohne professionelle Berichterstattung.

Seit dem Jahr 2000 haben in den USA tausende Lokalzeitungen geschlossen. Gleichzeitig geraten Medienhaeuser zunehmend in die Haende superreicher Investoren mit eigenen wirtschaftlichen oder politischen Interessen.

Druck auf US-Medien insgesamt steigt

Parallel dazu verschlechtert sich das politische Klima fuer Journalistinnen und Journalisten:

  • Oeffentlich-rechtliche Sender verloren staatliche Mittel

  • Einzelne Medien wurden juristisch unter Druck gesetzt

  • Politiker greifen Journalistinnen und Journalisten persoenlich an

Medienexperten warnen, dass diese Entwicklung die Kontrolle der Macht erschwert – eine zentrale Saeule jeder Demokratie.

Die Krise der Washington Post ist mehr als ein Unternehmensentscheid. Sie wird zum Symbol fuer die Frage, wie widerstandsfaehig freie Medien in politisch aufgeheizten Zeiten noch sind.

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Das Nachhaltigkeitsmagazin «Flip» stellt den Betrieb ein

Flip Gründer

Was wäre, wenn es ein Medium gäbe, das sich ausschliesslich um die grünen Versprechen von Unternehmen kümmert? Das Nachhaltigkeitsclaims prüft, Belege einfordert und Marketing von Substanz trennt? Genau das war die Idee hinter «Flip».

Fünf Jahre lang sezierten die Journalist:innen des Hamburger Magazins grüne Produkte, Finanzangebote und Werbeaussagen – systematisch, verständlich und oft ernüchternd. Als einzige Publikationsform diente ein Newsletter. «Flip» war eines der besten Experimente im jüngeren Umwelt- und Nachhaltigkeitsjournalismus. Jetzt ist Schluss. Das gab die Redaktion noch vor Jahresende 2025 in ihrem letzten Newsletter bekannt. Ende 2025 stellte «Flip» den Betrieb ein.

Die Idee: Nachhaltigkeit braucht gute Information

«Ausgeflipt», schrieb Christian Salewski in einem langen Post auf LinkedIn. Zusammen mit Christian und Dominik Sothmann sowie Felix Rohrbeck hatte er das Magazin 2020 gegründet. Der Gedanke dahinter war denkbar simpel: Informierte Konsument:innen treffen nachhaltigere Entscheidungen. Und jemand muss diese Informationen zusammentragen.

Gleich zu Anfang gab es viel Nützliches für Leserinnen und Leser. Der erste Newsletter befasste sich mit der Schokolade von Tony’s Chocolonely. Das Unternehmen aus den Niederlanden liegt in Nachhaltigkeitsrankings regelmässig vorne. Es stellt nach eigenen Angaben ausbeutungsfreie Schokolade her und bezahlt die Produzent:innen dafür auskömmliche Preise mit langfristiger Vertragsbindung. Das «Flip»-Urteil: Auch bei «Tony’s» ist nicht alles komplett super – aber mehr Mühe, nachhaltig, fair und transparent zu arbeiten, geben sich wohl nur wenige.

Zahlreiche Nachhaltigkeitsversprechen enttarnt

Auch bei anderen Produkten bohrte «Flip» unnachgiebig nach, wie nachhaltig sie wirklich waren, welche Belege es dafür gab und ob diese einer vertieften Recherche standhielten. Die Redaktion verschickte anfangs alle zwei Wochen einen Newsletter, der jeweils ein Produkt thematisierte – vom Gebrauchsgegenstand über Lebensmittel bis zu Finanzprodukten. Jedes Mal liess «Flip» die Leser:innen anschliessend darüber abstimmen, wie nachhaltig sie das Produkt nach dieser Betrachtung noch fanden. Die Community gab nicht nur Feedback und konnte Themen vorschlagen, in einzelne Projekte wurde sie auch direkt einbezogen.

Kurz nach der Gründung kam die erste Recherchepartnerschaft mit einem grossen Medium. Gemeinsam mit der «Zeit» veröffentlichte das Newsletter-Magazin 2021 eine erste grosse Recherche zum Putzmittelhersteller Everdrop. Everdrop stellt Putzmittelkonzentrate her, die sich einfach in Wasser auflösen lassen. Anschliessend können sie wie herkömmliche Putzmittel verwendet werden. Das Trockenprinzip soll Verpackungsmüll vermeiden und Transportkosten sparen.

Viele Produkte wurden bei «Flip» zum «Flop»

Die «Flip»-Recherche zeigte: Everdrop bietet viel Marketing und viel Design, aber wenig öko und wenig nachprüfbare Nachhaltigkeit. Beispielsweise fehlten die angegebenen Zertifikate. Der «Flip-Score», über den die Newsletter-Abonnent:innen abstimmen durften, lag am Ende bei 2,4 von 10. Kein «Flip» also, sondern eher ein Flop. Auch andere Hersteller wie die populäre Rucksackmarke GOT mussten Federn lassen: Der Meeresplastik-Rucksack wurde 2022 mit einem Flip-Score von 2,6 bewertet, weil er doch nicht so grün war wie behauptet.

Wenn es einen Durchbruch für «Flip» gab, war es die Recherche «Sneakerjagd», die das Investigativmedium 2021 in Zusammenarbeit mit der «Zeit» veröffentlichte. Mehrere Sneakerpaare wurden dabei mittels GPS-Chip auf ihrem Weg vom Altkleidercontainer bis in die hintersten Winkel der Welt verfolgt. Jede Woche gab es eine neue Folge – spannend wie ein Krimi. Am Ende stellte sich heraus, dass Nike in Belgien neuwertige Sneaker schreddert. Auch «Infosperber» berichtete.

Auch zu weiteren Recherchen, in denen «Flip» Missstände aufdeckte oder beteiligt war. Etwa, wie Zalando Retouren wochen- bis monatelang rund um den Globus schickt, wie typisch Greenwashing beim Shell-Konzern abläuft oder über das WM-Trikot deutschen Fussballnationalmannschaft, das sich deutlich weniger nachhaltig darstellte als beworben – der Recyclingplastik-Anteil betrug nur 20 statt der angegebenen 50 Prozent. Ob es überhaupt von dem Unternehmen stammte, das das «Ocean Plastic» angeblich geliefert hatte, blieb auch nach den Recherchen unklar.

Preisgekrönte Recherchen

«Flip» wurde mehrfach ausgezeichnet, etwa 2022 als «Wirtschaftsredaktion des Jahres», 2025 für die journalistische Nachwuchsförderung sowie ebenfalls 2025 mit dem Schweizer Medienpreis für eine Recherche über Trophäenjagd auf Braunbären. Später wurde der Newsletter zum wöchentlichen «Flip Briefing», das die jüngsten News zu Nachhaltigkeit, Klima und Umwelt zusammenfasste und jeweils ein wichtiges und aktuelles Thema einordnete und erklärte.

Als Unternehmen hat «Flip» rückblickend sehr vieles richtig gemacht: eine moderne Publikationsform, die ein echtes Informationsbedürfnis traf, Kooperationen mit bekannten Medienhäusern und wichtige Recherchen. Dazu kamen nachvollziehbar durchgeführte und aufsehenerregende Enthüllungen – investigativer Journalismus at its Best.

Alles richtig gemacht – trotzdem vorbei

Zur Anfangsfinanzierung durch Fördergelder und Investoren kamen Honorare von Medienpartnern, ein Abo-Modell, bezahlte Anzeigen und Sponsoring. Bald gab es die «Flip-Box» mit fünf Produkten, die von der Community als empfehlenswert eingestuft worden waren, dazu ein gedrucktes «Flip»-Magazin mit den dazugehörigen Recherchen. 2024 gründete «Flip» einen Online-Marktplatz, der ausschliesslich geprüfte, garantiert greenwashingfreie Produkte anbot. Nach der «Sneakerjagd» begann das Start-Up zudem, selbst Sneaker zu produzieren.

Man kann fragen, ob dieses Portfolio noch als Journalismus durchgeht und ob das «Flip»-Modell nicht sehr nah an der Grenze zum Produktmarketing operiert – wenn auch im besten Sinn. Man kann «Flip» aber auch als Modell dafür sehen, wie sich aufwendiger, kritischer, investigativer und gemeinwohlorientierter Journalismus langfristig finanzieren lässt.

Allein wäre «Flip» mit diesen Ansätzen nicht. Viele Medien finanzieren sich über Online-Marktplätze – teilweise in Bereichen, die überhaupt nicht mehr mit Journalismus verbunden sind. «Flip» betonte stets, sich streng an den Pressekodex zu halten und keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung zuzulassen.

«Schöne Weihnachten – und lasst euch von Greenwashern nicht blenden»

Wirtschaftlich hat das Hamburger Medium jedenfalls nichts unversucht gelassen und ist nach eigenen Angaben stetig gewachsen. Am Ende hat es trotzdem nicht gereicht. Grössere Förderungen seien weggefallen, schreibt das «Flip»-Team, die Wirtschaftsflaute in Deutschland habe zudem Online-Marktplatz und Anzeigenpreise einbrechen lassen. Und die Medienkrise kommt hinzu. Das Fazit und der letzte Wunsch der Redaktion: «Es ist bitter, aber wir haben verdammt viel erreicht. Schöne Weihnachten – und lasst euch von Greenwashern nicht blenden.»

Weiterführende Informationen

  • Die Flip-Chronik – Die Highlights 2020 bis 2025, zusammengefasst von der «Flip»-Redaktion

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Am Puls des Wachhunds

Hersh_Netflix

Der US-Journalist Seymour Hersh gilt als Held der Nonkonformisten. Weshalb zeigt die seit wenigen Wochen laufende Netflix-Doku «Cover-Up». Verantwortlich für den Film zeichnet die US-Regisseurin Laura Poitras. Sie erhielt für die Edward-Snowden-Doku «Citizenfour» (2014) einen Oscar und widmete sich mit «Risk» (2016) Wikileaks-Gründer Julian Assange.

In ihrem neusten Werk, das unlängst ebenfalls auf die Oscar-Shortlist gesetzt wurde, widmet sich Poitras dem heute 88-jährigen Investigativjournalisten Hersh. Mit Zusammenschnitten faszinierender Archiv-Aufnahmen erzählt sie aber nicht nur Leben und Karriere des bekannten Reporters.

Poitras verfolgt auch eine häufig ausgeblendete Geschichte, welche die gegenwärtigen imperialen Gelüste der USA unter Trump, die Unterdrückung politischer Gegner oder die Unterstützung israelischer Kriegsverbrecher als Konsequenzen vergangener Straflosigkeit erklären kann.

20 Jahre bis zum Film

Dafür braucht es einen langen Atem. Poitras fragte Hersh bereits 2004 an, ob er sich für einen Dokumentarfilm begleiten lassen würde. Damals, zu Beginn des zweiten Irakkriegs, war er die lauteste der sehr wenig kritischen Stimmen, welche das Vorgehen der Bush-Regierung nach 9/11 hinterfragten. Poitras reiste damals in den Irak, fassungslos darüber, wie obrigkeitshörig die grossen US-Massenmedien über die Kriegsvorbereitungen berichteten. Im Irak drehte Poitras den Film «My Country, My Country» (2006). Nach ihrer Rückkehr in die USA nahm sie Kontakt mit Hersh auf, doch dieser lehnte ab. 20 Jahre später sagte er doch zu.

Laura Poitras‘ Dokumentarfilm «My Country, My Country» (2006) in voller Länge auf (Youtube)

«Wir waren von Beginn weg interessiert an Hershs Recherchen», sagte Poitras Anfang Dezember in einem Interview. «Aber auch an den Mustern, die wir über ein halbes Jahrhundert sehen konnten, den Gräueltaten, den Vertuschungen, der Straflosigkeit und der Rolle des investigativen Journalismus beim Durchbrechen dieses Teufelskreises.»

Hersh: Investigativjournalist als Historiker

Der Film zeigt Hersh denn auch als stellvertretend für einen kritischen, couragierten Investigativjournalismus in den USA, hochrelevant für die Öffentlichkeit und gleichzeitig aufgrund seiner Sonderfunktion immer in der Rolle eines Aussenseiters. So sagt Hersh im Film: «Es gibt eine Geschichte der USA, die sehr schwer zu schreiben ist». Er meint damit die Geschichte des Imperiums, das verdeckt operiert und deshalb kaum öffentliche Rechenschaft für seine Taten ablegen muss – obschon es schreckliche Verbrechen begeht.

Der Film legt nahe, dass das unkritische Verhältnis zur Regierung zu grossen Teilen an einer Art Selbstzensur vieler US-Medien liegt. Denn Hersh sticht heraus, indem er gerade tut, was andere nicht tun: Nachhaken und sich nicht mit Phrasen begnügen.

Poitras’ Geschichte beginnt mit Hershs Vater, einem litauischen Juden, der 1921 per Schiff aus Hamburg nach Boston flüchtete und in den USA eine polnische Jüdin heiratete, die gemäss Hersh selber wie gedruckt log. Im bildungsfernen Haushalt lernte der clevere Hersh dank eifriger Buchlektüren die Welt und eine bestimmte Art des Denkens kennen. Später gelangte er über Umwege an die Uni Chicago, wo er ein Geschichtsstudium erfolgreich abschloss. Seine Karriere begann er bei der Chicagoer Lokalzeitung «City News». Zuerst als Zeitungsverkäufer, dann als Polizei-Reporter. Dieser Berufseinstieg im hochmafiösen Chicago der 1960er-Jahre machte ihn besonders scharfsinnig.

Später gelangte er zur Nachrichtenagentur Associated Press, wo er als Pentagon-Korrespondent eigensinnig recherchierte. Erste Gräueltaten der US-Armee in Vietnam, bekannt als My-Lai-Massaker, deckte er kurz darauf als freischaffender Reporter auf. Weil grosse Medien seine explosive Recherche nicht publizieren wollte, veröffentlichte er sie mit Hilfe einer kleinen Agentur auf den Frontseiten unzähliger regionaler Tageszeitungen. Von da an war Hersh am Puls der Geheimnisse der US-Regierung: Watergate-Skandal, Abu-Ghraib-Folter, Bin-Laden-Ermordung.

Hersh wollte aussteigen

Mit seinem kompromisslosen Eifer eckte Hersh immer wieder an. So verliess er die New York Times, weil eine Recherche über grosse US-Konzerne intern blockiert wurde. Der Film zeigt auch, dass Hersh das Filmprojekt abbrechen wollte, weil er Angst um einige seiner Quellen hatte, deren Namen das Filmteam im Rahmen seiner Recherchen in Archivmaterial fand. «Die Anspannung war definitiv hoch», sagte Poitras dazu. «Er ist jemand, der sagt, was er im Moment gerade denkt. Das ist grossartig für uns Filmemachenden.» Ein langes Gespräch des Produzenten Mark Obenhaus habe Hersh dann aber dazu bewogen, auf seine Entscheidung zurückzukommen.

Interessanter ist die Anspannung im Film aber da, wo Hershs Heldenstatus ins Wanken kommt, weil Poitras den Spiess umdreht. Dazu zerrt sie Hersh hinter dem Quellenschutz, der im Journalismus seinerseits zwecks Vertuschung vorgeschoben werden könnte, hervor. Hersh publiziert auch heute noch Recherchen, die für Aufsehen sorgen. Doch dass er sich bei einem Artikel über die Sprengung der Nordstream-Pipeline auf bloss eine Quelle stützte, sorgte für einiges Kopfschütteln. Was, wenn diese Quelle nicht die Wahrheit sagte? Hersh findet lapidar, dann habe er eben 20 Jahre lang dem Falschen vertraut.

Hersh gibt zu: Er war zu unkritisch

Souverän reagiert er hingegen, als Poitras ihn auf die vehemente, gut belegte Kritik an seiner Verteidigung der Gräueltaten des syrischen Ex-Diktator Bashar al-Assad anspricht. Hersh findet im Film: «Ich traf ihn ein paarmal und glaubte nicht, dass er in der Lage war zu tun, was er tat.» Dies sei ein perfektes Beispiel dafür, der Macht zu nahe gekommen zu sein. «Nennen wir es falsch, sehr falsch. Ich war nicht perfekt.»


Podiumsgespräch mit Hersh und Poitras am New York Film Festival im Herbst 2025.

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Bitpanda kämpfte 2024/2025 mit Problemen mit der Bafin

Die deutsche Finanzaufsicht (Bafin) hat bei einer Sonderprüfung des österreichischen Krypto-Brokers Bitpanda erhebliche Defizite festgestellt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht monierte in einem Prüfbericht vom März 2024 insgesamt 16 Mängel bei der deutschen Tochtergesellschaft Bitpanda Asset Management GmbH. Fünf dieser Feststellungen stufte die Behörde als schwerwiegend ein, vier als gewichtig.

Die Kritik der Bafin, die nun durch Berichte der Süddeutschen Zeitung, NDR, WDR und dem österreichischen Magazin Profil öffentlich wurde, trifft das Unternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da Bitpanda für das erste Halbjahr 2026 einen Börsengang in Frankfurt vorbereitet und dabei eine Bewertung zwischen vier und fünf Milliarden Euro anstrebt.

Die Aufsichtsbehörde hatte die Prüfung nach Erteilung der Lizenz im Jahr 2022 angeordnet und 2023 durchgeführt. Dabei konzentrierten sich die Prüfer auf zentrale Bereiche wie Risikomanagement, IT-Sicherheit und die Steuerung ausgelagerter Prozesse. Besonders kritisch bewertete die BaFin, dass wesentliche Betriebsteile einschließlich der Kryptoverwahrung an die österreichische Muttergesellschaft ausgelagert wurden, ohne dass die Steuerung dieser Auslagerungen den gesetzlichen Vorgaben entsprach. Die Behörde stellte dann in einem Schreiben vom Januar 2025 fest, dass das Unternehmen trotz Fortschritten bei der Mängelbehebung weiterhin nicht über eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation im Sinne des Kreditwesengesetzes verfügte.

Bitpanda verweist auf „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk“ durch KPMG

Bitpanda hat sich stets Compliance mit der Regulatorik als einer der USPs auf die Fahnen geschrieben, um sich am umkämpften Krypto-Markt von anderen Playern zu unterscheiden. Die Plattform betreut nach eigenen Angaben rund sieben Millionen Kunden und gehört zu den größten europäischen Anbietern im Krypto-Segment. seitens des Unternehmens wird kommuniziert, dass man bis Ende März 2025 sämtliche Mängel behoben hätte. Die BaFin habe die Bemühungen des Unternehmens zur Mängelbehebung ausdrücklich anerkannt und sich deshalb für ein Belehrungsschreiben anstelle einer förmlichen Verwarnung entschieden.

„Als umfassend reguliertes europäisches Finanzinstitut unterliegen wir regelmäßigen behördlichen und externen Prüfungen. Wir arbeiten eng mit den zuständigen Aufsichtsbehörden im In- und Ausland zusammen, um unsere Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diesen Prozess nehmen wir seit jeher sehr ernst. Darüber hinaus verfügen wir über starke interne Richtlinien und Prozesse als Teil unseres Governance-Systems. Darunter u.a. eine interne Revision und Kontrollgremien, die die Weiterentwicklung unserer Organisation sicherstellen“, heißt es in einer sehr allgemeinen Stellungnahme des Unternehmens.

Und weiter: „Die Bitpanda Asset Management GmbH, die Bitpanda GmbH und die Bitpanda Group AG werden zudem jährlich im Rahmen der Jahresabschlüsse von KPMG geprüft. Diese Prüfungen umfassen umfangreiche Kontrollen und Bewertungen zentraler Prozesse, einschließlich Risikomanagement, Dokumentation und Governance. Alle geprüften Gesellschaften haben stets einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten.“

Die von der Bafin festgestellten Mängel liegen nun doch schon einige Zeit zurück. 2025 kam es jedenfalls zu einem Wechsel an der Spitze des Unternehmens. Zuerst legte Mitgründer Paul Klanschek seine Co-CEO-Rolle im August 2025 zurück und wechselte im Oktober 2025 in den Vorstand der Bitpanda Group AG, dann legte auch Mitgründer Eric Demuth die Rolle im November des letzten Jahres die Rolle als Co-CEO nieder und wurde Executive Chairman des Verwaltungsrats der Bitpanda Group AG. Lukas Enzersdorfer-Konrad ist seither alleiniger CEO (Trending Topics berichtete).

Schwachstellen in IT-Sicherheit und Organisation

Der Wirtschaftsprüfer KPMG hat den Berichten zufolge 2024 unangemessen privilegierte Zugriffsrechte für Gesellschafter und Vorstände auf IT-Systeme beanstandet. Diese weitreichenden Zugriffsmöglichkeiten wurden erst im ersten Quartal 2025 entzogen. Zudem bemängelte die Aufsicht grundlegende Defizite in der Informationssicherheit, einem Kernbereich für jedes Finanzinstitut, das digitale Vermögenswerte verwahrt.

Die interne Revisionsabteilung von Bitpanda zeichnete in ihren Prüfberichten ein noch düstereres Bild. Die Auditoren stellten fest, dass es der sogenannten zweiten Verteidigungslinie, also den Bereichen Compliance und Informationssicherheit, an ausreichender Fachkompetenz fehlte. In internen Präsentationen kritisierten die Prüfer, dass Dokumente ohne qualitative Überprüfung erstellt worden seien und keinen Bezug zu tatsächlichen Prozessen aufwiesen. Die Revision monierte zudem, dass andere Abteilungen zu wenig Wissen über regulatorische Anforderungen besäßen und sich unzureichend um deren Einhaltung bemühten.

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Crans-Montana VS Massaker: Gemeinsame Schweiz-Italien Teams ermitteln

Die Ermittlungen zum Silvester-Horror in Crans-Montana laufen auf Hochtouren.
Schweiz und Italien bilden bis Ende der Woche gemeinsame Teams – während neue Tonaufnahmen des Bar-Besitzers Moretti auftauchen.

Gemeinsame Ermittlungsteams mit Italien

Die Staatsanwaltschaft Wallis hat dem Bundesamt für Justiz (BAJ) mitgeteilt, dass sie dem italienischen Ersuchen nachkommt.
Bis Ende der Woche sollen gemeinsame Ermittlungsteams gebildet werden – gemäss Artikel 20 des Zweiten Zusatzprotokolls zum Europäischen Übereinkommen über Rechtshilfe.

Das Schweizer EDA betont: „Schweiz und Italien verfolgen dasselbe Ziel – schnelle, transparente Aufklärung und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.“

Neue Beweise: Morettis Tonaufnahme zum Schaumstoff

Eine Tonaufnahme von Jacques Moretti ist aufgetaucht: „Sag mir, ob der Schaumstoff herunterfällt oder nicht.“
Das Material löste sich bereits von der Decke – genau das, was später Feuer fing und 40 Menschen tötete.

Moretti zu Mitarbeiter Gaëtan: „Falls er herunterfällt, müssen wir sie leider zurücklassen.“
Videos zeigen, wie Mitarbeiter mit Billardqueues versuchten, die Platten zu fixieren.

Laut ansa.it zeigen die Aufnahmen, wie Moretti selbst den Schaumstoff testete und mit Schweißbrenner prüfte – trotz bekannter Brandgefahr.

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Bürgermeister Féraud spürt Last der Verantwortung

Crans-Montana Bürgermeister Nicolas Féraud im Interview mit Keystone-ATS: „Ich spüre die Schwere der Verantwortung.“
„Ich bin in den Augen vieler schuldig. Die Staatsanwaltschaft wird die Verantwortlichkeiten aller Beteiligten klären, einschliesslich meiner eigenen.“

Er bedauert, sich nicht früher entschuldigt zu haben, und berichtet von Morddrohungen: „Ich versuche, diese Menschen zu verstehen.“

Ermittlungen: Treffen der Morettis und mögliche Beeinflussung

Anwältin Nina Fournier wirft den Morettis vor, Mitarbeiter zu beeinflussen: Ein Treffen der Angestellten soll stattgefunden haben.
Jessica Moretti bestreitet: „Die Angestellten haben sich untereinander getroffen.“

Die Staatsanwaltschaft Sitten prüft dies als möglichen Versuch, Aussagen zu manipulieren.

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USA lockern Grenzwerte für krebserregendes Formaldehyd

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Lobbyisten versuchen seit Jahren, die Regulierung krebserregender Chemikalien in den USA aufzuweichen. Jetzt scheint es ihnen gelungen zu sein. Während die EU und voraussichtlich auch die Schweiz die Grenzwerte für krebserregendes Formaldehyd im kommenden Jahr verschärfen wollen, gehen die USA den umgekehrten Weg.

Anfang Dezember kündigte die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) an, die Grenzwerte für Formaldehyd anheben zu wollen. Die Formaldehydmenge, die ein Mensch noch sicher einatmen könne, sei fast doppelt so hoch wie der noch im Dezember 2024 von der Biden-Regierung festgelegte Grenzwert, schreibt das US-Investigativmagazin «Pro Publica». Nach Ablauf der öffentlichen Kommentierungsfrist am 2. Februar kann die EPA diese Änderung endgültig festlegen.

Sogar die derzeitigen Grenzwerte seien zu lax, kritisierte «Pro Publica» bereits 2024. Messungen zeigten erhebliche Mengen Formaldehyd in Autos, Ladengeschäften und Wohnungen. Der neue Vorschlag sei ein Paradebeispiel dafür, wie Lobbyinteressen in Politik übersetzt würden.

Schwellenwert und lineares Risiko

Kern der Neubewertung ist die Auffassung darüber, wie krebserregende Chemikalien zu bewerten seien. Eine kleine Menge schadet wenig, eine grössere mehr, könnte man unbedarft denken. Aber wie viel ist «mehr»? US-Regierungen gehen seit rund 40 Jahren davon aus, dass Chemikalien, die durch Schädigung der DNA Krebs verursachen, einem linearen Risiko- oder Schadensverlauf folgen. Selbst kleine Mengen einer Substanz können also schädlich sein. Diese Einschätzung ist nebenbei auch sinnvoll im Hinblick auf den Cocktail-Effekt – der sich überlagernden Wirkung einer Vielzahl potenziell giftiger Chemikalien, denen Mensch und Tier täglich ausgesetzt sind.

Wenn Lobbyisten Behörden leiten

Vor allem Vertreter der chemischen Industrie gehen hingegen davon aus, dass unterhalb einer Gefahrenschwelle kein Risiko besteht – eine wissenschaftlich kaum abgestützte Annahme, die die Trump-Regierung und damit nun auch die EPA übernommen hat. Die neue Bewertung ist also ein grundsätzlicher Richtungswechsel. Die angekündigte Einführung dieses Schwellenmodells sei keine grosse Überraschung, schreibt die Journalistin Sharon Lerner, die für ihre Recherchen zu Umweltchemikalien bekannt ist. Leitende EPA-Wissenschaftlerinnen, die die Änderung unterstützten, hätten bis vor Kurzem als Industrielobbyisten dafür geworben.


Formaldehyd

Formaldehyd ist einer der häufigsten Luftschadstoffe. Die Chemikalie verursacht Kopfschmerzen und Schwindel, kann Allergien auslösen, Asthma verstärken, Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen und reichert sich im Körper an. Die Chemikalie ist im gesamten EWR in der Kategorie 1B («kann Krebs erzeugen») eingestuft. Auch die EU-Behörden gehen davon aus, dass bei niedrigen Konzentrationen kaum ein Krebsrisiko besteht. Allerdings ist Formaldehyd in zahlreichen Produkten enthalten. Es entsteht als Gas bei Verbrennungsvorgängen und wird in gelöster Form in Klebern, Baumaterialien sowie vor allem in Spanplatten und Sperrholz eingesetzt, aus denen es als Gas austritt. Als Konservierungsmittel in Kosmetika ist Formaldehyd in Europa inzwischen weitgehend verboten, in Reinigungsmitteln kann es weiterhin enthalten sein.

Nancy Beck und Lynn Dekleva beispielsweise waren bis vor Kurzem für den American Chemistry Council tätig. Beide hatten sich bereits in der ersten Trump-Legislatur gegen Chemikalienregulierungen eingesetzt, berichtete die «New York Times». Dekleva setzte sich noch 2022 dagegen ein. Der American Chemistry Council vertritt mehr als 190 Unternehmen und hat die Formaldehyd-Gesetzgebung der EPA stets bekämpft.

Heute ist Dekleva stellvertretende Verwaltungsleiterin der EPA-Abteilung für Chemikaliensicherheit und Umweltschutz, die die Formaldehyd-Neubewertung durchgeführt hat.
Beck, stellvertretende Leiterin des Amtes, unterzeichnete das offizielle Memo der Behörde.

Kein Interessenkonflikt, weil Interesse überall?

Die Regeln der föderalen US-Behörden verbieten es eigentlich, dass EPA-Angestellte an Themen arbeiten, an denen ihr ehemaliger Arbeitgeber ein Interesse hat oder Partei ist – zumindest während eines Jahres.

Ausser, sie bekommen eine Sondergenehmigung. Da Formaldehyd von vielen Herstellern produziert und in zahlreichen Industriezweigen verwendet werde, handle es sich bei dessen Risikobewertung nicht um eine spezifische Angelegenheit. Das Ethikbüro der EPA habe deshalb keinen Anlass zur Sorge gesehen, teilte ein Sprecher auf Nachfrage von «Pro Publica» mit. Die Neubewertung von Formaldehyd sei lediglich eine Korrektur wissenschaftlicher Fehler, die unter der Biden-Regierung gemacht worden seien.

Abgesehen davon, dass eine solche Aussage die beteiligten Forschenden diskreditiert, ist das eine absurde Argumentation. Bei der Einstufung einer Chemikalie, die in der Umwelt weit verbreitet ist, besteht kaum ein Risiko für Lobbyeinflüsse oder Vorteilsnahme. Und zwar, weil die Chemikalie überall ist?

Die Wissenschaft hat sich nicht geändert – die Bewertung schon

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Formaldehyd hätten sich nicht geändert, sagt Jonathan Kalmuss-Katz, Anwalt bei Earthjustice, der grössten gemeinnützigen Umweltkanzlei der USA, gegenüber «Pro Publica». Diese Argumente bringe die chemische Industrie seit einem Jahrzehnt vor. «Der einzige Unterschied ist, dass sie nun endlich eine Regierung gefunden hat, die bereit ist, diese Erkenntnisse [über Formaldehyd] zu ignorieren.»

Die unter Biden veröffentlichte Bewertung von Formaldehyd beschrieb 58 Szenarien, in denen Arbeitnehmer:innen oder Konsument:innen «einem unangemessenen Gesundheitsrisiko durch Formaldehyd ausgesetzt sind». Diese Einstufung verpflichtet die EPA dazu, Massnahmen zu ergreifen. Zu den Produkten, die gefährliche Mengen Formaldehyd freisetzen können, gehören zum Beispiel Autowachse, Bastelbedarf, Tinte und Toner, Fotobedarf, Baumaterialien, Textilien und Lederwaren.

Die EPA hob seither fünf Szenarien auf, bei denen nach der früheren Einschätzung ein Gesundheitsrisiko bestand – eines davon ist die Herstellung von Holzprodukten. Dazu muss man wissen, dass Sperrholz und Holzverbundplatten nahezu immer mit formaldehydhaltigen Klebern gefertigt werden. Diese geben so lange Formaldehyd ab, bis die Platte zerfällt, sofern sie nicht vollständig versiegelt ist.

Schon die Formaldehydbelastung im Freien stellt laut «Pro Publica» ein unterschätztes Risiko dar. Das Krebsrisiko durch Formaldehyd in der Aussenluft sei zehnmal so hoch wie die EPA angebe, berechnete das Medium 2024.

«Dammbruch» oder «zurück in die 1960er-Jahre»

Die Neubewertung sei «ein Dammbruch», sagt Tracey Woodruff, Wissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät der University of California, gegenüber «Pro Publica». «Chemieunternehmen wollen, dass jedes Karzinogen als Schwellenwert-Karzinogen eingestuft wird, damit sie behaupten können, ihre Chemikalien seien sicher – obwohl wir wissen, dass das nicht stimmt.»

Die Aufweichung der Grenzwerte beziehungsweise die Einführung der Schwellenwertdoktrin droht auch bei anderen Chemikalien. Als Nächstes vermutlich bei Ethylendichlorid und 1,3-Butadien (Vinylethen), die in der Kunststoffherstellung verwendet werden. Auch die gegenwärtige Einschätzung zum Krebsrisiko radioaktiver Strahlung könnte sich ändern. Das sei sogar im Programm «Project 2025» festgehalten, das die Trump-Regierung als Blaupause für ihre Regierungszeit verwende.


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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Schwere Kämpfe statt Weihnachtsfrieden: Ukraine zieht sich aus Frontstadt zurück

Es sollte die stillste Zeit des Jahres sein.

Doch in der Ukraine toben schwere Kämpfe – mitten im Advent.
Kiew muss eine strategisch wichtige Stadt räumen, während Russland weiter angreift.

Rückzug aus Siwersk: Entscheidung unter Druck

Die ukrainischen Streitkräfte haben sich aus der Stadt Siwersk im Norden des Gebiets Donezk zurückgezogen. Das bestätigte der ukrainische Generalstab via Facebook.

„Um das Leben unserer Soldaten und die Kampfkraft der Einheiten zu schützen“, so die Begründung.

Warum ist Siwersk so wichtig?

  • Vor dem Krieg lebten hier rund 10.000 Menschen

  • Die Stadt liegt an einer wichtigen Verteidigungslinie im Donbass

  • Sie schützt den letzten grossen Ballungsraum unter ukrainischer Kontrolle in der Region

Lange war die Front dort stabil – doch russischer Druck hat zuletzt stark zugenommen.

Schwere Angriffe kurz vor Weihnachten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte mit deutlichen Worten auf die Intensivierung russischer Angriffe:

Er sprach von „Zynismus“ und „gezielter Eskalation“ vor dem Weihnachtsfest.

Kremlchef Wladimir Putin hatte die Einnahme Siwersks bereits vor zwei Wochen öffentlich verkündet – Kiew dementierte dies zu dem Zeitpunkt. Jetzt scheint die Stadt endgültig gefallen.

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Selenskyj stellt Friedensplan vor

Trotz der Eskalation betont Selenskyj diplomatische Wege.
Er stellte erstmals öffentlich den Entwurf eines 20-Punkte-Friedensplans vor – erarbeitet mit Unterstützung der USA.

Eckpunkte des Plans:

  • Sicherheitsgarantien nach Nato-Vorbild  

  • Aufbau einer 800.000 Mann starken Armee

  • Berücksichtigung ukrainischer, russischer und US-amerikanischer Positionen

„Es gibt weiter Gesprächsbedarf“, so Selenskyj. Noch ungeklärt bleibt insbesondere die Forderung Russlands nach Gebietsabtretungen, etwa in Donezk.

Russland geht gegen kritische Journalisten vor

Während an der Front gekämpft wird, geht Moskau auch innenpolitisch weiter hart vor.

Fall Roman Anin:

  • Russischer Investigativjournalist

  • Chefredakteur von Waschnyje Istorii („Wichtige Geschichten“)

  • Mitautor der Pandora Papers

Der russische Staat entzog ihm nun die Staatsbürgerschaft.
Begründung: „Diskreditierung der Streitkräfte“.
Bereits im März wurde Anin in Abwesenheit zu 8,5 Jahren Haft verurteilt.

Die Repressionen gegen unabhängige Stimmen nehmen weiter zu.

Weihnachtsruhe bleibt in der Ukraine ein ferner Wunsch.
Der Rückzug aus Siwersk ist ein militärisches und symbolisches Warnsignal.

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Angriff aus Frauenhass? – Das erste Incel-Attentat der Schweiz | Impact Investigativ | SRF

💾

Triggerwarnung: In diesem Beitrag geht es um sexualisierte Gewalt.

Incels – «involuntary celibates» – sind Männer, die unfreiwillig sexuell enthaltsam leben, also ohne Sex und romantische Beziehung. Viele machen Frauen für ihre Situation verantwortlich. Sie tauschen sich in Online-Foren aus. Neben Einsamkeit und Frust finden sich dort Frauenhass, Vergewaltigungsfantasien und Gewaltaufrufe.

Im extremen Fall wird aus Hass reale Gewalt: 2020 fährt in der Ostschweiz ein Mann zwei junge Frauen an. Die beiden Betroffenen werden verletzt. Sie kämpfen bis heute mit den Folgen der Tat. Was zunächst aussah wie ein Unfall, ist das erste Incel-Attentat der Schweiz. Das zeigen Recherchen von SRF Investigativ. Ein internes Dokument der Bundespolizei zeigt: Die Amokfahrt wurde als Fall von Incel-Extremismus eingestuft. Was steckt hinter der Incel-Ideologie? Und wie konnte es zu diesem Attentat kommen?

Kämpfst du mit Einsamkeit? Oder hast du sexualisierte Gewalt erlebt? Hier findest du Anlaufstellen, die dir weiterhelfen können:

👉 https://www.opferhilfe-schweiz.ch/de/ich-bin-opfer-von/sexuellegewalt/
👉 https://www.143.ch/
👉 https://www.147.ch/

Darum geht’s in der Reportage:
00:00 Intro
00:56 Das erste Incel-Attentat der Schweiz
03:20 Was bedeutet «Incel»?
04:02 Weltweite Incel-Attentate
05:00 «Er verliess die Wohnung kaum noch.» – So radikalisierte sich Kevin B.
05:38 Einblicke in ein Incel-Forum
06:53 Incel-Expertin: «Frauen sind für sie keine Menschen.»
08:39 Ein Incel erzählt
11:27 Das Manifest von Kevin B.
13:49 «Es fühlte sich an wie ein Horrorfilm.»
15:43 Fedpol: Warum der Fall als Incel-Extremismus gilt
17:20 «Ich kann gewisse Dinge nie mehr machen.»
18:10 Wrap-up

▪️ Redaktion: Sonja Mühlemann, Stefanie Hasler
▪️ Produktion: Philippe Odermatt
▪️ Kamera: Moritz Hofstetter, Daniel Leippert, Marco Berger
▪️ Schnitt: Noemi Carlen
▪️ Illustrationen und Animationen: Ida Künzle
▪️ Distribution: Olivia Grubenmann, Ronja Oppiller
▪️ Leitung: Nina Blaser

Im Auftrag von ©2025 SRF

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DuoLivo – die neue Schweizer Dating-App für Menschen ab 50 Jahren

DuoLivo – die neue Schweizer Dating-App für Menschen ab 50 Jahren
Bild Rechte: 
SWARETIQ GmbH

(Basel)(PPS) Echte Begegnung, Transparenz und Schweizer Qualität statt Fake-Profile, Abo-Fallen und endloses Swipen: Mit DuoLivo startet in der Schweiz eine neue, vertrauenswürdige Dating-Plattform für Menschen in der zweiten Lebenshälfte. 

Warum Partnersuche eine neue Lösung braucht

Viele Menschen in der Zielgruppe ab 50 erleben beim digitalen Kennenlernen wenig Authentizität – stattdessen erwarten sie intransparente Kosten, zweifelhafte Profile und ergebnisloses Wischen. Ein kritischer SRF Impact-Investigativbericht zum Thema Dating-Plattformen bestätigte diese Probleme.Für die DuoLivo-Gründer war klar: So darf Partnersuche nicht funktionieren. Die App setzt deshalb auf eine seriöse Lösung aus der Schweiz, die Vertrauen, Nähe und echte Begegnungen ins Zentrum stellt.

Diese Funktionen machen die Plattform besonders

• Alle Profile in der Umgebung auf einen Blick – ohne endloses Wischen • Aussagekräftige Profile mit Fotos und persönlichen Informationen für ein authentisches Bild des Gegenübers • Eine bewusst einfache, klare Bedienung, damit sich Menschen aller digitalen Erfahrungsstufen sicher fühlen • Eine transparente Kostenstruktur ohne versteckte Gebühren • Entwicklung und Betrieb vollständig in der Schweiz – mit hohen Standards bei Datenschutz und Qualität

Wo ist DuoLivo verfügbar?

DuoLivo ist kostenlos im Web sowie als App im Apple App Store und im Google Play Store erhältlich. Nach der Profilerstellung ist eine Mitgliedschaft notwendig, um sämtliche Funktionen nutzen zu können. Dieses Modell stellt sicher, dass echte Menschen statt Fake-Profile auf der Plattform unterwegs sind.

Weitere Informationen: https://duolivo.ch

Hintergrund und Entstehung von DuoLivo

DuoLivo ist eine Marke der Basler Firma SWARETIQ GmbH. Entwickelt wurde die Plattform in engem Austausch mit Menschen ab 50, deren Rückmeldungen direkt in die Gestaltung eingeflossen sind. Entstanden ist eine vertrauenswürdige Lösung, die intuitiv funktioniert und ein verlässliches Umfeld für neue Begegnungen schafft.

Firmenportrait: 

Wer ist die SWARETIQ GmbH?
Die SWARETIQ GmbH wurde 2023 in Basel gegründet und entwickelt digitale Produkte mit klarer Nutzerführung, hoher Sicherheit und transparenter Struktur. Mit DuoLivo bringt das Unternehmen erstmals ein Angebot im Bereich Partnersuche auf den Markt und wendet seinen Qualitätsanspruch bewusst auf eine Zielgruppe an, die bisher wenig passende Angebote findet.

Pressekontakt: 

SWARETIQ GmbH
Aeschengraben 29
4051 Basel

info @ duolivo.com
duolivo.ch

Spermakrise in der Schweiz – Studie zeigt Stadt-Land-Unterschiede | Impact Investigativ | SRF

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Langsam, deformiert und weniger hoch konzentriert – die Spermienqualität vieler Männer in der Schweiz gibt Anlass zur Sorge. Schlechtes Sperma kann nicht nur den Kinderwunsch zur Geduldsprobe machen, sondern auch das Selbstwertgefühl der Männer stark belasten.

Eine neue Studie der Universität Genf zeigt regionale Unterschiede: Stadt und Land sind nicht in gleichem Masse von schlechter Samenqualität betroffen. Was steckt dahinter? Und was hat die Landwirtschaft damit zu tun? SRF Impact Investigativ geht der Spermakrise auf den Grund.

Darum geht’s in der Reportage:
00:00 Intro
00:49 Samenqualität beim Mann – ein Tabu?
03:19 Haben wir eine Spermakrise? 👀
04:31 Tausende Rekruten im Spermatest
10:19 Kinderwunschbehandlungen an der Uniklinik Zürich
13.54 Was ist Schuld an schlechtem Sperma?
15:26 Neue Studie zeigt Stadt-Land-Unterschiede
18:46 Was hat die Landwirtschaft damit zu tun? 🚜
22:11 Grosse Wissenslücke – wie weiter?
24:19 Wrap-up

▪️ Redaktion: Maj-Britt Horlacher, Kathrin Winzenried
▪️ Produktion: Philippe Odermatt
▪️ Kamera: Moritz Hofstetter, Marc Gacond, Sven Höland
▪️ Schnitt: Michael Bolliger
▪️ Visual Design: Malin Maurer
▪️ Distribution: Olivia Grubenmann, Ronja Oppiller
▪️ Leitung: Nina Blaser

Im Auftrag von ©2025 SRF

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